Dein persönlicher Fahrplan — und der Abschlussnachweis
Elf Lektionen liegen hinter dir. Wenn du sie durchgearbeitet hast, kannst du etwas, das in den meisten Unternehmen niemand kann:
- einen KI-Anwendungsfall so beschreiben, dass er bewertbar ist,
- seinen Nutzen rechnen und den Rechenweg offenlegen,
- seinen Aufwand einordnen, ohne ihn zu erfinden,
- und begründen, warum du mit diesem Fall anfängst und nicht mit einem anderen.
Diese Lektion fasst zusammen, was das im Kern war — und was du in den nächsten dreißig Tagen damit machst.
Der rote Faden
Der Kurs hatte eine Reihenfolge, und die war kein Zufall.
| Lektionen | Phase | Worum es ging |
|---|---|---|
| 1–3 | Die Ausgangslage | Deine Rolle, was KI realistisch kann, wie weit dein Unternehmen ist |
| 4–6 | Die Erhebung | Anwendungsfälle finden, ihren Nutzen rechnen, ihren Aufwand schätzen |
| 7–8 | Die Entscheidung | Die Matrix und die Rangfolge — und der Workshop, in dem beides entsteht |
| 9–10 | Die Umsetzung | Vom Quick Win zum Projekt, und der Nachweis, dass es gewirkt hat |
| 11 | Die Rechtslage | Eine Landkarte, keine Rechtsberatung |
Wenn du dir eine Sache aus dieser Reihenfolge merkst, dann diese:
Jeder Schritt liefert die Eingabe für den nächsten. Wer die Erhebung überspringt, rechnet mit erfundenen Zahlen. Wer den Ausgangswert nicht misst, kann später nichts nachweisen.
Fünf Sätze, die alles tragen
Wenn du den ganzen Kurs auf fünf Sätze eindampfst, bleiben diese übrig.
1 · Ein Anwendungsfall wird über den Arbeitsschritt benannt, nicht über das Werkzeug. Nicht „KI für die Buchhaltung", sondern „Eingangsrechnungen vorprüfen". Wer über das Werkzeug benennt, diskutiert über Anbieter statt über Arbeit.
2 · Erhebung ist keine Schätzung. Fallzahl, Zeit je Fall und Stundensatz werden gemessen. Geschätzt wird nur, was sich zum Bewertungszeitpunkt nicht messen lässt — der Aufwand.
3 · Wer eine Bewertung zeigt, schuldet den Rechenweg. Eine Matrix ohne offengelegte Skalen ist eine Meinung mit Koordinaten.
4 · Die Reihenfolge ist robust, die Investitionsentscheidung nicht. Der Score übersteht Schätzfehler — dafür ist die logarithmische Skala gebaut. Die Amortisationsdauer nicht. Führe beide Werte mit.
5 · Miss den Ausgangswert, bevor du anfängst. Er ist die einzige Zahl im ganzen Verfahren, die sich später nicht mehr beschaffen lässt.
Dein Fahrplan für die nächsten dreißig Tage
Woche 1 — Zuständigkeiten schriftlich festhalten. Die vier Fragen aus Lektion 1: Wofür bin ich zuständig? Wofür ausdrücklich nicht? Wer entscheidet bei Widerspruch? Wie viele Stunden pro Woche? Und dann an die Person schicken, die dir die Rolle gegeben hat.
Woche 2 — Anwendungsfälle sammeln. Drei Quellen, in dieser Reihenfolge: die Menschen, die die Arbeit machen; die Prozesse mit hoher Frequenz; und erst danach Ideenlisten von außen.
Woche 3 — Pflichtangaben für drei bis fünf Kandidaten erheben. Fallzahl, Zeit je Fall, Stundensatz, laufende Kosten, Mehrumsatz. Wo eine Angabe fehlt, wird der Fall zurückgestellt — nicht abgelehnt.
Woche 4 — Den Bewertungstermin ansetzen. Ein halber Tag, mit dem Prozesseigentümer, der IT, jemandem mit Budgetverantwortung und dem Datenschutz. Wo es einen Betriebsrat gibt: früh informieren.
Und dann, im Termin selbst: anonym und gleichzeitig bewerten, die Spannweite besprechen, und für jeden Fall, den ihr startet, die fünf Angaben festhalten, bevor der Raum sich leert.
Das ist der ganze Fahrplan. Vier Wochen, und du hast eine begründete Reihenfolge statt einer Ideenliste.
Die vier Fehler, die am meisten kosten
Sie sind alle vermeidbar, und keiner davon ist technisch.
| Fehler | Was passiert |
|---|---|
| Der Fall wird über das Werkzeug benannt | Der Raum diskutiert über Anbieter statt über Arbeit |
| Die Fallzahl wird geschätzt | Jede Hochrechnung ist eine Behauptung — so entstehen sechsstellige Einsparungen, die niemand je gesehen hat |
| Der Proof of Concept wird für einen Pilot gehalten | Er beantwortet, ob etwas technisch geht. Ob es bei euch geht, beantwortet nur der Pilot |
| Das Abbruchkriterium fehlt | Ihr entscheidet in Monat sechs unter dem Eindruck dessen, was schon investiert wurde |
Wenn du gegen diese vier gewappnet bist, bist du weiter als die meisten.
Der Abschlussnachweis
Zum Abschluss bekommst du einen Nachweis. Hier steht genau, was er ist und was er nicht ist.
Was er belegt: dass du diesen Kurs durchgearbeitet und die Wissenschecks bestanden hast. Und damit praktische Methodenkompetenz — dass du Anwendungsfälle erheben, bewerten, priorisieren und ihre Wirkung nachweisen kannst.
Was er nicht ist: ein Compliance-Nachweis. Er macht dich nicht zur zuständigen Stelle nach der KI-Verordnung, und er erfüllt keine gesetzliche Pflicht.
Das ist kein Mangel, sondern eine Klarstellung. Die KI-Verordnung schreibt keinen benannten KI-Beauftragten vor und verlangt kein Zertifikat. Artikel 4 verlangt, Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz zu ergreifen — das ist etwas anderes als eine Urkunde.
Wenn dir jemand ein Zertifikat verkauft mit der Begründung, es sei vorgeschrieben: frag nach der Fundstelle.
Der Nachweis ist trotzdem etwas wert. Er zeigt jemandem, der dich beauftragt oder befördert, dass du ein Verfahren beherrschst — und nicht nur eine Meinung zu KI hast.
Jeder Nachweis trägt einen Prüfcode. Über die öffentliche Prüfseite lässt sich damit bestätigen, dass er echt ist und auf wen er ausgestellt wurde.
Wie es weitergeht
Nimm dir einen Fall. Einen einzigen, kleinen, mit einer Person und einem Datum. Der Nachweis, dass etwas funktioniert hat, ist im Unternehmen mehr wert als der beste Fahrplan — und er verschafft dir die Aufmerksamkeit für den zweiten Fall.
Quellen
- **Verordnung (EU) 2024/1689** (KI-Verordnung) in der Fassung der Verordnung (EU) 2026/1744, Art. 4 — Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz. Stand 27.07.2026. — Stand 27
- Die Belege der einzelnen Aussagen stehen in den Lektionen 1 bis 11, jeweils im Abschnitt „Quellen". — siehe Quelltext